Die Märkte spielen verrückt. Nach dem Xten Euro-Krisengipfel geht es wieder einmal abwärts mit DAX und Dow Jones. Begonnen hat die Krise im Jahr 2008, von heute auf morgen. Damals platzte die Immoblienblase in den USA und endete in einer Pleiter der Bank Lehman Brothers. Seither unterminiert ein finanzieller Schwelbrand Europa. Sind die Spekulanten Schuld an der Misere?
Der Euro-Krisengipfel ist vorüber. Wahre Wunder versprach man sich von allen Seiten, der “große Wurf” wurde erwartet, die Revolution im Kampf gegen die Schuldenkrise. Und was kam dabei heraus? Nichts, jedenfalls fast nichts. Oder sagen wir, nichts, was uns aus der aktuellen Misere befreien könnte. Nach dem Euro-Krisengipfel ist vor dem Euro-Krisengipfel. Nun gut, der Stabilitätspakt wurde noch mal bekräftigt, man einigte sich auf eine Fiskalunion. Alle Euro Länder sollen zukünftig ihre Ausgaben dem BIP anpassen. Nur noch in Ausnähmefällen, z. B. bei einer Naturkatastrophe, sollen deutlich höhere Ausgaben bewilligt werden. Wer sich nicht an die Regelungen halten wird, wird mit Sanktionen rechnen müssen. Aha, wodurch das jeweilige Land also noch tiefer in die Misere geritten wird. An der Lösung der aktuellen Schuldensituation hat der Gipfel quasi NICHTS geändert. So warten Anleger und Investoren eigentlich jetzt nur noch darauf, dass die großen Ratingagenturen Deutschland, Frankreich und den EFSF abstufen, dann war es das mit dem Euro.
Diese miesen Spekulanten!
Jaja, wenn es darum geht, Verantwortung abzuwälzen, ist man in der Politik immer schnell bei der Hand. Bloß nicht selbst mal Fehler eingestehen. Hat eigentlich jemand die Staaten dazu gezwungen, horrende Schulden auf Kosten der nachfolgenden Generationen aufzunehmen? Nicht, dass ich wüsste. Dann sind es jetzt halt die bösen Spekulaten, einer muss ja immerhin Schuld sein. Die nehmen nämlich um des eigenen Profits Willen sogar Staatspleiten in Kauf.
Leerverkäufe/Short Trades
Ein in diesem Zusammenhang häufig gefallenes Stichwort sind Leerverkäufe bzw. Short Trades, bei denen auf fallende Kurse spekuliert wird. Doch was heißt das eigentlich? Entsprechend schnell melden sich wieder unqualifizierte Rufe, Short Trades kurzerhand zu verbieten. Zugegeben, Leerverkäufe wetten auf fallende Märkte. Das klingt per se schon mal schlecht, werden Short Trades unter anderem doch auch von Zentralbanken dazu benutzt, den Goldpreis in Schach zu halten (um nicht zu sagen, sie manipulieren ihn), damit bloß keiner auf die Idee kommt, dass wir uns in einer gravierenden Inflation befinden. Dabei sind Short Trades oder Leerverkäufe genauso in der Lage einen Markt nach unten zu bewegen, wie Verkäufe in Folge von gesetzten StopLoss-Funktionen. Von denen dürfte es in den letzten Wochen und Monaten einige gegeben haben, und das nicht nur aus den Reihen der Marktteilnehmer, sondern gerade auch bei den Long-only-Fonds, die, um ihre Verluste einzugrenzen, auch langfristige Positionen verkaufen mussten. [Ironie an] Folglich dürfte es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis auch der Ausstieg aus einem Handelsgeschäft bei Kursverlusten verboten wird. [Ironie aus].
Short ist nicht böse!
Short Selling ist nicht per se böse. Leider erkennen das marktfernte Beobachter häufig nicht und auch den breiten Medien gibt es in der Regel nur wenige Beiträge, die hier Aufhellung zu Gunsten der freien Handelsentscheidung in beide Richtungen bringen. So kann man beispielsweise Short-Positionen nutzen, um seine Long-Position zu hedgen, also gegen einen Totalverlust abzusichern. In der Regel hat dies die Konsequenz, dass die Long-Position trotz fallender Kurse gehalten werden kann, bis der Kurs sich wieder erholt hat und mit Gewinn geschlossen werden kann. Hier finden Sie ein Beispiel für Positions-Hedging. Short gehen kann also auch Sinn machen, Börsenexperte Dirk Müller empfiehlt diese Technik sogar ausführlich, um sich gegen fallende Kurse bei Aktien oder Edelmetallen mit Optionsscheinen abzusichern.
Leerverkäufe haben eine Aufgabe
Leerverkäufe sind also NICHT per se schlecht! Sie haben eine wichtige Aufgabe und verhindern die Bildung von Spekulationsblasen. Der Markt sah zuvor eine Übertreibung nach oben, allerdings ohne, dass der Ruf der Politik weitere Käufe verbot. Ein perfektes Beispiel dafür sind die Aktien der Deutschen Telekom. Zum Jahrtausendwechsel notierte der Anteilsschein bei mehr als 100 Euro, doch Rufe von Experten, den Wahnsinn durch das Verbot weiterer Käufe zu stoppen, blieben aus. Der Vollständigkeit halber: Mehr als zehn Jahre später müht sich die Aktie noch immer unter Marke von 10 Euro ab. Zahlreiche Anleger wurden um ihr Geld geprellt. Leerverkäufe haben wichtige Aufgaben: Sie bremsen Kursblasen und helfen, Ungleichgewichte abzubauen. Aktienkurse sind im Grunde nichts weiter als eine Inflation bei Aktienpreisen. Während beim Standard-Warenkorb pingelig darauf geachtet wird, dass die Preise sich nur in einem überschaubaren Rahmen inflationär entwickeln, gelten stetig steigende Aktienkurse noch immer als chic. Eine Annahme, die an der Börse immer bestraft wird.
Keine ähnlichen Beiträge


