Die Inflation kommt

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Halb Europa steckt bis zu den Knien in den Schulden. Zuerst Griechenland, dann Spanien, Portugal und Irland. Steuern wir geradewegs auf eine Inflation zu? Wie kann man sich schützen?

Spanien war im vergangenen Jahrzehnt der Musterschüler im Euro-Raum. Starkes Wirtschaftswachstum, den Haushalt sehr gut im Griff – und in Relation zum BIP eine sinkende Verschuldung. Und jetzt? Die Verschuldung steigt rasant, die Wirtschaft wächst nicht mehr und der Haushalt läuft aus dem Ruder. In Portugal und Irland sieht es kaum besser aus. Italien ist ohnehin chronisch hoch verschuldet. Und selbst Deutschland und Frankreich haben langsam Schlagseite.

Die Gefahr eines Zahlungsausfalls von Spanien oder Griechenland macht die Finanzmärkte extrem nervös. Und genau das kann sich eigentlich niemand leisten. Griechenlands Staatsanleihen werden mit einem Risikoaufschlag gegenüber deutschen Staatspapieren von rund 3 Prozentpunkten gehandelt. Portugal hatte große Probleme, kurzlaufende Anleihen zu begeben. Die Folge: Weitere Konjunkturpakete werden auf den Weg geschickt und Geld wird gedruckt.

Haben wir die Finanzkrise nicht längst überstanden?

Das ist ein Trugschluss, siehe die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. Sie war nicht Ursache der Krise, sondern ihre Folge. Die Ursache ist eine überproportionale Verschuldung. Gemessen an der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt, den USA, stiegt die Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen, Banken und Privathaushalten seit 1980 von 160 Prozent des Bruttoinlandproduktes auf mittlerweile 373 Prozent. Das ist absoluter Rekord. Nach der Krise ist also vor der Krise, denn die Ursachen wurden nicht beseitigt. Im Gegenteil: In nie dagewesenem Umfang werden neue Schulden gemacht, um die Krise zu bekämpfen. Das Problem: Die Leitzinsen sind inzwischen auf fast null Prozent gesunken. Die Wirtschaft ist abhängig vom billigen Geld wie ein Drogensüchtiger von seinen Drogen. Die Folge der Krise wird daher eine andere Krise sein: Inflation.

Was tun die Notenbanken dagegen?

Die einzige Alternative, um die Schulden abzubauen, ist die große Pleitewelle mit einer Abschreibung der Kredite. Die Folge wären lange anhaltende Rezessionen, Deflation und Massenarbeitslosigkeit. Inflation dagegen hat zwar eine Geldentwertung zur Folge, gleichzeitig aber auch eine Entwertung der Schulden. Nominell bleiben die Schulden zwar erhalten, real minimieren sie sich aber. Das Ergebnis: Die Rückzahlung fällt leichter. Eine Deflation trifft zudem immer die Ärmsten. Eine Inflation dagegen trifft die Vermögenden, also die Gläubiger.

Was machen die Sparer mit ihren Anlagen?

Eine Inflation ist für Anleger immer eine Katastrophe. Ihr Geld wird entwertet und verliert damit massiv an Kaufkraft. Aber Anleger können ihr Erspartes schützen, indem sie in Sachwerte investieren. Schutz vor Inflation bieten etwa Gold, Immobilien, aber auch Aktien. Nicht ins Depot dagegen gehört alles, was festverzinslich ist, mit Ausnahme von inflationsgeschützten Anleihen.

Wann erreicht uns die Inflation?

Wir rechnen mit einer Inflationsrate von sieben bis 15 Prozent in frühestens drei Jahren. Eine Inflation der Verbraucherpreise steht also nicht unmittelbar bevor, vielmehr erwartet uns zunächst durch eine gewaltige Überschussliquidität eine neue Blase am Finanzmarkt. Wo genau diese entsteht, ist ohne Glaskugel schwer vorherzusagen. Auf jeden Fall wird sie sich aber, bevor sie platzt, positiv auf die Realwirtschaft auswirken und zu einem Aufschwung führen. Ausgangspunkt werden höchstwahrscheinlich die Emerging Markets sein, in die, getrieben von Wachstumsphantasien, erhebliche Investitionen aus den Industrieländern fließen. Aufgrund der enormen Bevölkerungszahlen Chinas, Braisiliens und auch Indiens werden Wohlstandseffekte die Nachfrage nach Rohstoffen anheizen und die Preise nach oben treiben. Auch die Löhne werden infolgedessen steigen. Entsprechend werden die Exporte in Richtung Amerika und Europa teurer, die Verbraucherpreise klettern in die Höhe  und die Inflation ist zurück.

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März 16, 2010
Posted in Finanzkrise — sachwertanlage @ 4:15 pm

6 Kommentare »

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